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Spurensicherung


„Erklären Sie mir mal, was das Auto und der Hund auf dem Foto gemeinsam haben!” Inspektor Hath legte schwungvoll seinem Assistenten eine schwarz-weiße Fotographie auf den Bürotisch.

“Foto. Ja, mal sehen“, erwiderte Joseph, von dieser Frage völlig überrascht. Er nahm das Beweißfoto in die Hand und betrachtete es eine Weile.

„ Sieht nach einem Zufall aus, oder hat der Hund was mit der Situation des Autos zu tun?“

„Nicht Sie stellen die Fragen sondern ich, merken Sie sich das. Außerdem sind es nur Vermutungen, die Sie da anstellen. Sie sind hier um zu lernen. Also, was sehen Sie auf dem Bild? Schärfen Sie ihre Sinne Joseph!“

„Woher stammt das Foto?“

„Aus dem Archiv.“

„Was ist denn da passiert?“

„Das sollen Sie mir sagen Joseph. Dieses Bild gehört zu einem Fall, der noch offen ist und keiner weiß, wieso dieses Bild bei den Akten liegt.“

Joseph setzt seine rille zurecht. „Es ist Herbst. Spätherbst würde ich sagen, da alle Bäume ihre Blätter schon verloren haben. Es handelt sich um eine Landstrasse. Das kann ich an den Feldern rundherum und an den Telefonmasten erkennen.“

„Ja, ja gut. Was noch?“, drängte der Inspektor, der unruhig vor dem Schreibtisch auf und ab ging. Das machte er immer, wenn er einen Verdacht hegte, es aber nicht beweisen konnte. Das hatte Joseph schon herausgefunden. Er war erst seit kurzem für den Inspektor eingeteilt worden. Sie unterhielten sich eine ganze Weile und stellten fest, dass die Straße auf dem Foto erneuert worden war. Die Straßenarbeiten waren nicht abgeschlossen, da die Fahrbahnmarkierung fehlte und die Straßenkante noch nicht aufgeschüttet worden war. Also musste es eine Geschwindigkeitsbeschränkung gegeben haben. Das Foto zeigte einen VW-Golf der auf dem Seitenstreifen stand. Mit der Stoßstange hatte es einen kleinen Baum beschädigt. Besitzer dieser Autos fahren für gewöhnlich gerne zu schnell. Die Spuren aufgewühlter Erde am Straßenrand ließen auf eine heftige Bremsung schließen. Joseph ließ seine Gedanken laut spielen und der Inspektor hörte in sich versunken zu.

„Ein üblicher Unfall. Nichts Unnormales heutzutage.“ Warf er ein. „Warum stehen beide Autotüren auf? Gab es zwei Personen im Auto?“

„Denke schon und das Fenster der Fahrertür ist ein Spalt offen. Einer der Beiden könnte Raucher gewesen sein. Vermutlich der Fahrer“, überlegte Joseph. „Diese Gegend hat bestimmt viel mit Wildwechsel zu tun. Im Herbst sind die Tiere am späten Nachmittag aktiv. Was eine Notbremsung erklären würde.“

„Habe ich mir auch schon gedacht“, grummelte Inspektor Hath. „Aber was hat der Hund auf dem Foto zu bedeuten?“

„Hunde schnuppern gerne an Autoreifen, weil andere Hunde dort ihre Duftmarken absetzen. Ist wie Zeitung lesen für sie.“

„Der Reifen ist von einem anderen Hund markiert worden!“ Der Inspektor blieb abrupt stehen, drehte sich zu Joseph und fuhr fort: „Und dieser Hund auf dem Foto zeigt es eindeutig. Es gehört zu einem Überfall auf einen Kiosk am Stadtrand. Eine Zeugin hatte ausgesagt, dass ihr Rüde den linken Vorderreifen eines dunklen VW-Golf markiert hatte. Und mit diesem Wagen sah sie auch die Täter fliehen. Dieser Wagen hier wurde wenig später verlassen aufgefunden. Der Hund beweist nichts, aber er bestätigt meinen Verdacht, dass es der Fluchtwagen sein könnte.“

Joseph grinste. „Soll ich eine Zeugenaussage der beteiligten Hunde aufnehmen?“

„Tja, lieber Joseph, wenn sie das könnten, dann wären sie jetzt schon Oberinspektor. Aber kümmern Sie sich lieber um das Auto, sonst sagt man ihnen noch nach `Sie seien auf den Hund gekommen`. Wau- Wau!“

Das war das erste Mal, dass er den Inspektor schmunzeln sah.

Autorin: Elke H.Graham

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