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Der besondere Kürbis



Erwin ist nicht irgendwer. Nein, er ist wohlbekannt im ganzen Dorf für sein schmackhaftes Gemüse. Er lebt alleine in einem kleinen alten, aber sehr gepflegten Haus am Rande des Dorfes. Vor einigen Jahren verstarb seine Frau und seine drei Kinder sind alle selber schon glückliche Eltern und leben in der Stadt.

Erwins ganzer Stolz ist sein Garten. Jeden Tag ist er dort zu finden. Die kleine Rasenfläche vor seinem Haus ist liebevoll mit bunten Blumenbeeten verziert. Aber sein Leben ist der große Gemüsegarten hinter dem Haus.

Seine Kinder hatten ihm vor einigen Jahren, damit er nicht so alleine sein sollte, einen Hund aus dem Tierheim geschenkt. Ein Pudel-Dackel-Mix mit kurzen Beinen, mausgrauen und krausen Haaren. Was diesem Weggefährten etwas Schönheit verlieh, waren seine großen treuen Augen. Erwin behauptet immer, wegen dieser dunklen Kulleraugen haben ihn die Kinder überhaupt mitgenommen. Sieht ja auch ganz knuddelig aus und alle Nachbarkinder lieben ihn. Den Namen Wurzel bekam der Hund, nachdem er jeden Tag neues Gemüse, mit vorliebe Möhren, ausgrub und vor die Tür legte. Dabei verschonte er leider auch nicht die Nachbargärten. Diese Flut von täglich frischem Gemüse verlangte, dass Erwin einkochte, einfror und die Reste mit Reis als Hundefutter verarbeitete. Wurzel lebte seitdem ein grünes und gesundes Leben mit viel Bewegung.

Jedes Jahr im Herbst stand das Dorffest mit dem traditionellen Wettbewerb der Hobbygärtner an. Es wurde gewetteifert, wer den größten Kürbis oder die leckerste Marmelade hatte. Duftende Kuchen, selbstgebackene Brote und der frisch gepresste Saft von dem Obst der Gärten rundete jedes Jahr diese doch selten gewordene Idylle ab. Seit den letzten fünf Jahren hatte Erwin ununterbrochen den Preis des größten und schmackhaftesten Kürbisses gewonnen.

Als er auch in diesem Jahr den Siegerpreis der Genossenschaft für Saatgut entgegen nahm, wollte der Redakteur der lokalen Tageszeitung einen Bericht über ihn veröffentlichen.

Noch strahlend mit dem Gutschein fürs Saatgut in der Hand und den dicken Kürbis in der Schubkarre, wurde er von einem dorfbekannten Reporter angesprochen.

„Hallo Erwin! Gratuliere! Mensch, wie machst du das nur, jedes Jahr so einen schönen Kürbis zu ernten? Könntest du unseren Lesern dein Rezept verraten oder ist es ein Geheimnis?“
„Nee- ganz einfach!“, grinste Erwin den Reporter an. „Viel Gemüse mit Reis.“

Dieser stutzte. “Als Dünger?“

„Jooh- und ab und zu mal ein bisschen Fleisch vom Schlachter. Nicht so viel Knochen, die buddelt er mir nur ein.“

Nun war der Schreiberling ganz verwirrt. „Der Kürbis verbuddelt Knochen?“, fragt er stirnrunzelnd.

„Nee- doch- der Hund!“, grinste Erwin. „Ein Kürbis gräbt doch nicht. Geht doch nicht. Ist doch ein Gemüse und kein Hund!“

Mit Blick auf seine Notizen fragt der Reporter: „Also: Gemüse, Fleisch und Reis unter die Erde mischen?“

Erwin lachte laut auf: „Den Hund damit füttern, meine ich!“

„Aber unsere Leser wollen doch wissen wie du deine Kürbisse jedes Jahr so prächtig herausputzt.“

„Sag ich doch- Hund gesund füttern -und der Rest ergibt sich von ganz alleine. Wurzel liebt im Garten besonders die Stellen, wo die Kürbisse wachen. Das düngen, das übernimmt er.“

Autorin: Elke H.Graham

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