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Fliege, Hund und Sonntagsbraten


Sie saß gerne am Fenster. Besonders heute, wo die Glasscheibe von der Mittagssonne angestrahlt wurde. Verträumt putzte sie sich ihre Fühler, als plötzlich ein verführerischer Duft an sie vorbei schwebte.

Die Frau des Hauses hatte gerade den guten Sonntagsbraten aus dem Ofen heißen geholt und deckte ihn nun mit einer Folie ab. Dann verließ sie die Küche.

"Gute Gelegenheit", dachte die Fliege und drehte sich schon mal in die optimale Startrichtung.

Doch da tauchte, als hätte sie es nicht schon vorausgesehen, der Hund des Hauses auf. Die Nase hoch erhoben und sich dabei die Leftzen leckend, trottete er vergnügt in Richtung Ofen und Braten.

"Das ist meine Beute", plusterte sich die Fliege auf. "Erst bin ich dran!" Und hastig flog sie direkt und ohne Furcht auf den Kopf des Hundes zu. Brummte laut mit den Flügeln, damit dieses haarige Ungeheuer ihre Drohung auch gut hören würde. So geschah es dann auch.

Der Hund sprang instinktiv hoch und schnapte nach der Fliege.

Doch--uff-- sie entkam im letzten Moment.

"Noch so ein Angriff und ich bin selber der Braten", hechelte die Fliege, als sie sich, noch nach Luft ringend, an der Zimmerdecke niederließ.

Der Hund derweil näherte sich wieder dem Ofen und dem gut riechenden Braten.

"So nicht!" Mit einem Steilflug verteidigte die Fliege tapfer ihre Beute. Schoß diesmal schneller und mit weniger gebrumme an dem Ohren des Hundes vorbei.

Der reagierte wie erwartet genauso schnell und jagte der Fliege nach. Diese wiederum war dieses Mal besser vorbereitet und lockte den Hund unter den Tisch, wo schon das gute Geschirr auf gedeckt war. Sie drehte aufreizende Kriese um eines der Tischbeine. Es verfehlte nicht seine Wirkung. Schon lag der Schatten des Hundes auf ihren Flügeln, als die Fliege mit einem Ruck nach oben schoß.

Der Hund, noch unter dem Tisch, sprang mit dem gleichen Ruck der Fliege nach und nahm dabei den Tisch mit hoch. Ein Höllenlärm folgte. Das gute Geschirr flog durch die Küche und zerschellte mit hellem Getöse an den Schränken und auf dem Fliesenboden.

Mit einem der Schrei, der alles abrundete, kam die Hausfrau herein gestürmt. Der Hund verließ mit eingezogenen Schwanz fluchtartig die Küche.

Die Fliege saß munter neben dem Ofen und sortiere ihre Flügel. Während die Frau schimpfend das Schlachtfeld säuberte, labte sich die Fliege genüßlich am Bratensaft, der unter der noch warmen Folie heraus floß.

Auch eine kleine Fliege kann Großes bewegen um an ihr Ziel zu gelangen.

Autorin: Elke H.Graham

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